Krass

Heute ist ein richtig beschissener Tag.

Eine Freundin von mir ist gerade da seit gestern. Wir waren mal wirklich gute Freundinnen. Das was wir hatten, hatte ich davor und danach mit niemandem. Wir konnten über alles reden, konnten philosophieren, konnten zusammen halten uns besoffen anschnautzen und zusammenhalten.

Seit dem 20.April diesen Jahres, ihrem 21. Geburtstag, hatten wir uns nicht gesehen.
Ich hatte mich sehr oft gemeldet - und sie vielleicht drei Mails geschrieben.
Ich war enttäuscht.
Die Zeit in der sie mich so "verlässt" ist nicht gut gewählt fand ich.
Schließlich müssen Daniel und ich grad ziemlich viel durchstehen.

Nun - nach einem Vorfall vor drei Wochen, der bei mir dann das Fass zum überlaufen brachte, schrieb ich ihr eine Mail in der ich alles sagte, was ich auf dem Herzen hatte.
Ich schrieb auch den Satz: "Ich bräuchte dich jetzt eigentlich!"

Den hat sie verstanden. Sie wollte ja für mich da sein, hat sie mir gestern erzählt, und sie sei ne schlechte Freundin und das ist, was Freundschaft ausmacht - Dass man füreinander da ist.. bla bla.

Wir haben geredet - und eigentlich hat sie fast den ganzen Abend geredet. Hat mir erzählt wie ihr Urlaub war, wie viel sie gesoffen hat, wie viele Männer auf sie stehen und wie lustig doch die Betriebsausflüge sind, wenn sich ihre Klasse und sie besaufen und blödsinn machen.

Eigentlich geht es nur um saufen. Hauptsache saufen.

Ich meine - das war schon vorher so. Wir haben uns besoffen näher kennengelernt, wir reden meistens besoffen über ernste Dinge. Aber ich hab keine Lust mehr darauf.

Ich will mehr.

Ich will mich auch ab und an betrinken, klar. Aber ich will auch mit Freunden reden können, wenn ich nicht besoffen bin, ich will auch Spaß haben, wenn ich nicht besoffen bin.
Ich will vorallem keine Oberflächliche Freundin, wie sie es ist.

Sie hat sich echt so wahnsinnig verändert.
Sie war früher nett und liebenswert. Sie sah schon vor nem Jahr so gut aus wie jetzt - aber heute kann sie damit nicht mehr umgehen.
Sie erzählt mir, wie sie mit der kleinen Schwester einer unserer alten Freundinnen weg war. In so einer Kneipe wo wir vor nem Jahr oft waren.
Da waren dann wohl acht Kerle die sie umzingelten und was von ihr wollten.
Woran liegt das denn?
Ist mir ja auch relativ egal.

Nicht egal ist mir aber, und das klingt jetzt sehr egozentrisch, dass sie nicht mal gefragt hat, wie es uns so geht.
Nichts.
Außer das "wie gehts?" bei der peinlichen Begrüßung.
Sie hat nicht gefragt, was so war. Sie hat mir, wie gesagt, nur erzählt, wie schwer uns anstrengend doch ihre Arbeit ist und so.
Ja. Glaub ich.

Wie auch immer: es wird nichts mehr mit uns.

Ich habe gestern probiert ihr zu sagen, dass es okay ist, wenn sie sich nicht meldet, dass es mir nichts bringt, wenn sie sich dauernd entschuldigt dafür, dass sie das lassen soll. Ich hab ihr auch gesagt, dass es normal ist, dass man nicht so füreinander da sein kann, wie man es ist, wenn man sich oft sieht. Ich hab ihr gesagt, dass es mir nichts bringt, wenn sie, wie sie steif und fest behauptet, täglich an mich denken muss.

Es ist mir egal! Ich will - wenn überhaupt - meine Freundin wieder haben. Die, mit der ich lachen und weinen kann, mit der ich reden kann.

Aber die gibt es nicht mehr. Die ist untergegangen glaube ich.
Untergegangen in Arbeit, Proletentum und Alkohol.

Machs gut!

9.7.08 12:08, kommentieren

Sentimental

Heute ist ein schöner und guter Tag. Wir haben heute bei einem günstigeren Supermarkt eingekauft. Das find ich toll. Und das Wetter ist toll. Wir haben nach dem Einkaufen und nach der Krankengymnastik draußen gesessen und einen Kaffee getrunken. Das war echt schön. Wir haben uns unterhalten und einfach genossen. Das Wetter sollte so bleiben. Unseretwegen und auch euretwegen, wenn ihr es so mögt.

Ich seh aus wie eine Rockerbraut hat mir der Krankengymnast gesagt.
Das stärkt mein Selbstbewusstsein ungemein, hahaha. Naja. Tut es vielleicht wirklich ein bisschen - immerhin hat er nicht gesagt ich seh aus wie eine Baby-Rockerbraut oder so.

Gestern war ein komischer Abend.
Wir haben das Finale mit den Models geguckt, weil ich das unbedingt wollte. Es ist irgendwie ja total doof - aber ich mag sowas manchmal.
Das motiviert einen schöner auszusehen, hahaha. Wie ne Rockerbraut.

Als die Sendung in der zweiten Hälfte angekommen war, ging es Daniel sehr schlecht. Er hatte wahnsinnige Rückenschmerzen und auch seine Hände und Füße schmerzten ziemlich. Nicht so schön. Ich wusste auch nicht was ich machen sollte, außer die Gliedmaßen und den Rücken streicheln und massieren. An den Gliedmaßen half es ja ein wenig - aber am Rücken nicht.
Er lag also auf der Couch und krümmte sich vor Schmerz.
Ich belaberte ihn so lange, bis er ein paar Dehnungs- und Auflockerungsübungen machte. Dabei wurde es noch schlimmer und er geriet in Panik. Er hatte Angst, dass er umkippte oder zusammenklappe, Angst vor einem Anfall vielleicht.
Natürlich bekommt man da auch Angst, wenn man das sieht. Diesen Wahnsinn in den Augen, die Panik, die nackte Angst. Die nackte Angst ist wohl die beste Beschreibung dafür.

Ich versuchte meine eigene Angst unter Kontrolle zu bekommen. Auch wenn mein Vater oft über meine Emotionalität lächelt - in solchen Dingen kommt sie mir zu gute.
Ich weiß, so blöd es klingt, wann was passiert und wann nicht. Ich hörte also auf meine Gewissheit, auf mein Gefühl, dass es nur Panik ist und kein anrollender Anfall und versuchte Daniel zu beruhigen.
Irgendwann wurde sein Blick wieder klarer, ich zwang ihn, mich anzuschauen und bald hatte er sich wieder gefangen. Ich schmierte ihn mit einem kühlenden Gel ein und bald war alles wieder soweit okay.

Gott sei Dank.

Nachts auf meiner Luftmatratze fiel mir ein, dass ich letztes Jahr sehr oft Schwindelanfälle hatte. Schweißausbrüche, Schwindel, Schwarzsehen, Ohrensausen und ebenfalls Panik. Ich habe mittlerweile gelernt, damit um zu gehen. Diese Anfälle waren wohl Psychosomatisch bedingt. Trotzdem kamen sie, wann immer sie wollten. Auch wenn es mir gerade gut ging (oder vielleicht gerade dann?) und ich nichts zu grübeln hatte.
Ich hatte wirklich Angst, todesangst und ich hatte auch Angst, dass ich davon nicht mehr loskäme, dass ich erst ne Therapie bräuchte, bis das wieder weg geht. Aber es ging weg. Mit viel Willenskraft und Methoden, mir selbst gut zu zu reden und mir zu sagen, dass das nicht real ist, dass es mir gut geht. Es hat geklappt.

Mittlerweile habe ich andere Problemchen. Eine Zeitlang habe ich mich viel mit Krankheiten auseinandergesetzt, viel gegoogelt, sehr stark auf meinen Körper geachtet. Jede Veränderung, jeder kleine Scherz oder jedes kleine Zucken habe ich beachtet und manchmal passte es in Krankheitsbilder. Nicht sehr gesund, nein.

Warum ich das erzähle? Ich weiß es garnicht. Ich hatte begonnen, es zu schreiben, weil mir gestern Nacht auffiel, dass diese Dinge besser geworden sind, dass ich sowas jetzt nicht mehr so häufig habe, dass ich irgendwie so abgelenkt bin von Daniel und unserem Leben, dass ich da nicht mehr so arg achte..
Aber eigentlich stimmt das garnicht. Ich habe diese Dinge immernoch. Immer wieder etwas anderes.
Momentan sind es mal wieder meine Augen. Ich habe einen Schatten auf dem einen Auge, wenn ich in die Ferne gucke.
Tja.
Ob das allerdings Psychosomatisch ist, weiß ich nicht.
Ich habe ja so meine Methoden entwickelt, das herauszufinden.
Ich beobachte die Regelmäßigkeit des Auftretens dieser Dinge, die Situationen in denen sie Auftreten, probiere aus, ob sie Ausblendbar sind..
Vielleicht geht es ja wieder weg. Heute hab ich das den vierten Tag. Schaun wir mal. Wenn es nächste Woche nicht weg ist, sollte ich vielleicht mal zum Arzt. Ich hasse Ärzte, hab ich das schon gesagt?

Ach.. und am Montag hab ich nen Termin beim Psychologen. Einer mit Kassenzulassung. Ist das nicht ne Freude? Ich sag nur: Vitamin B!

Schönes Wochenende!

1 Kommentar 6.6.08 12:57, kommentieren

Nacht für Nacht für Nacht.

Eigentlich, so fällt mir immer wieder auf, ist das Wochenende das Schlimmste an der ganzen Sache. Wir sind in diesem fremden Haus, können hier nicht viel Unfug anstellen - bzw müssen uns immer anstrengen, dass wir keinen anstellen und haben sonst nichts zu tun.
Wir müssten, um uns zu beschäftigen, mit dem Rollstuhl durch den Regen fahren der wirklich beachtlich vom Himmel donnert und uns in der wirklich riesigen Innenstadt ein Café aussuchen um uns dort hin zu setzen und Kaffee zu trinken.
Ja, es ist schön wenn man dann endlich mal dort angekommen ist - aber jeden Tag macht das auch keinen Spaß.

Wie dem auch sei. Eigentlich sollte es in diesem Eintrag um die Nächte gehen.
Vorgestern hatte Daniel Fieber. 39°C. Ist eigentlich noch nicht sooo schlimm. Trotzdem haben wir uns die halbe Nacht um die Ohren geschlagen. Eigentlich, so haben uns die Ärzte mehrmals eingehämmert, sollten wie sie konsultieren bei Fieber.
Aber was wollen diese Geldgeilen Säcke denn schon tun? Ihm Paracetamol geben? Das kann ich auch.
Hab ich auch gemacht. Erst eine, das Fieber stieg zumindest nicht mehr, dann noch eine - und das Fieber ging Gott sei dank zurück.
Hmm.. Auf Krankenhaus habe ich wirklich einfach keine Lust mehr. Die quälen Daniel nur, probieren aus, verdienen sich ne goldene Nase und ich darf dann wieder (natürlich mit Daniel zusammen) die Nebenwirkungen aushalten. Wundervoll! Ich kann mir besseres vorstellen.
Das Leben so ist doch eh schon scheiße genug, oder?

Wie auch immer. Als sei diese Ärztescheiße nicht genug müssen wir uns dann natürlich auch noch streiten.
Ich liebe es ebenso wie Fieber.
Daniel sagt was, ich gehe darauf ein - nicht ganz so wie er sich das vorgestellt hat und promt giften wir uns zwei Stunden lang an.
Da wir auf keinen grünen Zweig kommen, drehen wir uns irgendwann genervt im Bett um und schweigen uns an.
Es gibt nichts schlimmeres als das!

Also - und gestern habe ich es übertrieben - mache ich wieder das Licht an, hüpfe auf unserer Luftmatratze rum, trete Dinge durch die Gegend, mache zwei gegenüberliegende Fenster sperrangelweit auf und nerve Daniel.
Irgendwann wird es ihm zu bunt und er reagiert und wir sprechen uns aus.
Arm in Arm schlafen wir ein - und ich frage mich:

Wozu war dieser Streit doch jetzt gleich noch?

1 Kommentar 31.5.08 17:56, kommentieren

krank

Vorgestern waren wir im Kino! Tatsächlich. wir waren im Kino mit dem Rollstuhl - und es hat sogar alles gut geklappt und Daniel hat es genossen.

Gestern war dann ein eher mieser Tag. Daniel wachte auf und war depressiv. Toll. Ich seh das schon an seinem Blick, wenn er nur die Augen aufmacht. Er muss nichts sagen. Ich weiß es einfach.
Das sind die Tage, die ich über alle Maßen hasse. Man kommt nicht an ihn ran, man kann nicht mit ihm reden und ihn nicht beruhigen. Er ist dann eben nur depressiv. Er schafft es, ich weiß nicht wie lange, da zu sitzen und in die Gegend zu stieren. Er macht nichts - und wenn man ihn fragt, denkt er auch nichts.
An so einem Tag hat ihn das schwarze Loch gefangen und lässt ihn nicht mehr gehen.
Es ist die Ohnmacht meinerseits, die es so schwierig macht damit um zu gehen.
Wenn Daniel sagt: "Ich kann nicht mehr. Ich schaffe das nicht. Es ist mir alles zu viel.", was soll ich darauf hin sagen?
Soll ich sagen: "Ich weiß, dass dir alles zu viel ist - es ist mir auch zu viel. Aber wir müssen durchhalten. Schau auf dein Ziel."
Das ist, was ich sagen würde - aber ich weiß auch, dass es nichts bringt. Es kommt nicht an in Daniels Synapsen.
Trotz der Depressivität ging ich, nachdem ich Daniel zum Arzt geschippert habe, zur Uni.
Es war interessant und ich war eben mal wieder weg von allem. Es war gut. Danach sind wir was trinken gegangen. Das war auch gut.
Es ist seltsam - aber ich habe wirklich das Gefühl, verbündete gefunden zu haben, innerlich verbündete. Ich kann sagen was ich denke - und sie wissen, was ich meine. Helfen können wir uns gegenseitig nicht. Aber zuhören ist manchmal schon sehr viel.

Als ich wieder nach Hause kam (30min Zug fahren, 30min laufen..) machte mir Daniel die Tür auf. Er war natürlich, anders als ich gehofft hatte, immer noch schlechter Laune. Er stöhnte mir ein "hallo" entgegen und schlurfte wieder auf die Couch.
Ich fragte ihn, wie es ihm ginge, was er so machte und so - und später fiel mir auf (mich machte es nicht wütend wie sonst, sondern es *fiel mir auf*!) dass alles sich, sobald ich die Tür rein kam, wieder um ihn drehte. Er fragte vielleicht kurz wie es in der Uni war, worauf ich mit "okay" antwortete, wie immer, und damit war das Thema gegessen.
Danach ging es wieder um sein schreckliches Leben.

Dass es um Daniels schreckliches Leben ging und nicht um meins ist vollkommen okay. Schließlich bin ich gesund und momentan geht es mir ganz okay. Das Leben ist anstrengend und nicht befriedigend - aber wann ist es das schon?
Was mir an dieser Feststellung nur missfiel, war die Tatsache, dass es mittlerweile so ganz normal geworden ist, dass alles sich immer nur um Daniel dreht.
Ich ließ all diese Gedanken zu und merkte, dass ich mich verhalte, wie eine Mutter. Ich bekümmere ihn, verhätschele ihn, schimpfe mit ihm und so weiter.

Das macht mir angst. Und ich weiß nicht, wie ich das lassen kann - schließlich bringt er uns beide in diese Situation.
Wenn ich versuche, mich wie eine junge Frau zu benehmen, die ihr Leben hat und eben einen kranken Mann - dann werde ich, so wie gestern, immer wieder zurück gerissen in die Realität.


Er braucht mich ja, was, wenn er sich was antut, wenn ich nicht da bin, was, wenn was passiert und keiner ist da, was, was, was..

Was?

28.5.08 11:27, kommentieren

Sturmfrei. Sturm-frei?

Seit heute morgen sind wir mal wieder allein mit uns.
Gestern abend waren wir mit den zukünftigen Schwiegereltern zum Abschied zusammen Tapas essen und bisschen was trinken und so. Es war echt schön, dafür, dass es eben die fast-Schwiegereltern waren.
Vielleicht lag es auch am Alkohol. Mit Alkohol sparen die hier echt nicht.
Ein Cocktail von dem man wirklich einen im Tee hat kostet nur 3.80, wenn man zwei nimmt, 3.25. Das ist nicht wenig - aber auch nicht sonderlich viel. Man muss bedenken, ich komme aus Hessen. Da ist alles relativ teurer als hier.

Wie auch immer: wir sind nun also bei Daniels Eltern und jene sind in Kur.
Irgendwie wissen wir heute garnicht so, was wir miteinander anfangen sollen. Wir gammeln rum, Daniel hat gebadet, ich hab mir die Haare geschnitten. Sieht komisch aus - aber vielleicht gehts, wenn ich sie richtig föhne und so.

Heute Morgen hatte ich mal wieder nen kleinen Nervenduchticker. Es ist wirklich krass, wie klein die Polster um meine Nerven nur noch sind. Vielleicht sinds garkeine Polster mehr.
Heute musste ich heulen, weil Daniel nichts essen wollte und ich eben vor hatte, ein schönes gemütliches Frühstück zu zweit zu machen.
Kleinste Dinge werfen mich aus dem Konzept.
Das ist widerum zum heulen.

Nunja. Jetzt hab ich auch schon keine Lust mehr zu schreiben. Ich weiß nich, was ich jetzt mache. Vielleicht geh ich auf den Crosstrainer und schau dabei Fern. So ganz assig und un-hilfreich.

Machts gut!

1 Kommentar 25.5.08 12:32, kommentieren

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