zu hause

Daniel ist seit letztem Mittwoch wieder im Krankenhaus. am Freitag sollte er eigentlich wieder rauskommen - aber wie das eben so ist: die Ärzte wollen alles mögliche noch ausprobieren und testen und machen. Nur nicht am Wochenende. Ist klar. Also musste Daniel das Wochenende im Krankenhaus verbringen und darf heute tatsächlich wieder raus.

Scheiß Ärzte! Tut mir leid - aber ich hab wirklich nen hass auf die im Moment.

Ansonsten war ich jetzt die ganze Woche zu Hause. Man war das schön! Wirklich.

Wegen all dem Stress und der Anspannung und der Angst habe ich mal wieder ziemliche Magenprobleme. Sodbrennen und richtig starke Magenschmerzen. So stark, dass ich nachts nicht schlafen kann und solche Geschichten. Juhu!
Nunja - ich nehme also ein Magenmittel. So ein schleimiges Zeug zum schlucken. Hilft ganz gut. Aber ich muss es echt regelmäßig nehmen. Bei der kleinsten Sache fangen die Magenschmerzen wieder an. Außerdem trink ich den ganzen Tag Pfefferminztee. Auch ganz toll, was? :D nunja. Was muss, das muss.

Nun muss ich mich mal fertig machen. Ich geh heute das erste Mal wieder an die Uni. Man freu ich mich. Wird bestimmt total komisch. Aber nunja. Schaun wa mal.

Was blöd ist ist, dass ich meinen liebsten jetzt schon so lange nicht gesehen habe. Samstag das letzte Mal! Und wir konnten auch nicht telefonieren weil er kein Telefon hatte. Schrecklich! Ich fühl mich schon ganz entwöhnt von ihm :-/

Naja. Gehabt euch wohl!

3 Kommentare 20.5.08 11:22, kommentieren

und nun das..

Seit ein paar Tagen sind wir nun bei Daniels Eltern. Es war am ersten Tag schön, mal wieder unter Menschen zu sein, die man kennt, am zweiten und dritten Tag schrecklich weil sie einfach so schrecklich spießig und verbohrt sind - und mittlerweile hat sich alles einigermaßen eingependelt.

Trotzdem ist alles sehr anstrengend. Ich gehe wieder zur Uni ab morgen. Hier, wo Daniels Eltern wohnen, kommt man schlecht zum Bahnhof und zurück. Scheiß Sache. Aber was soll man machen?

Abends weinen wir oft und morgends auch. Mal er, mal ich. Gleichzeitig irgendwie selten, was ja auch gut ist. Gestern war mal wieder so ein Abend.
Der Tag war nett, es war ja Pfingsten, der Tag, an dem den Jüngern von Jesus Flammen über den Köpfen schwebten und alle, obwohl alle in verschiedenen Sprachen beteten, sich verstanden. Der heilige Geist kam auf sie. Schöner Feiertag. Außerdem hatten wir wundervolles Wetter, wir haben viel zusammen gesessen, geredet und gegessen. Es war ein netter Tag.

Doch dann, Abends, stellte ich Daniels Medikamentensammlung zusammen, in seine blaue Pillenbox. Da wir die Medikamente jetzt erstmals selber bei der Apotheke kaufen mussten, hatten wir auch erstmals die Beipackzettel dabei.
Ich las einen und war ein bisschen überrascht, als ich sah, dass Daniel an Stelle eines antiepileptikums ein Psychopharmaka bekommt, das auch gegen Anfälle aller Art eingesetzt wird.
Okay.
Dann schaute ich mir die anderen Beipackzettel an.
Daniel bekommt drei verschiedene Psychopharmaka. Antidepressiva, etwas gegen Wahnvorstellungen und dann eben das gegen die Anfälle und sonstige Psychosen.
Ich fiel aus allen Wolken irgendwie. Ich wusste garnicht wohin mit meinen Gedanken und mit meiner Wut.

Es ist ja kein Problem, gegen eine Psychosomatische Krankheit behandelt zu werden - nein!
Mein Problem war, dass der Chefarzt nichts dazu sagte. Er verabreichte Daniel diese Psychopharmaka und titulierte sie als normale Schmerzmittel. Ich merkte schon seit Wochen, dass Daniels Schmerzen im Fuß viel mit der Psyche zu tun haben, denn oft, wenn er Schmerzen hatte, ließen diese sich beruhigen durch gut zureden und streicheln und ähnliches. Und nun, da auch Daniel weiß, dass die Psychopharmaka gut helfen, weiß ich also, dass ein Teil dieser Erkrankung Psychisch bedingt ist.
Aber warum sagt der Scheißgefickte Arzt nichts? Warum wird man so verarscht?? Ich meine - Daniel bekommt eine Chemotherapie! Was, wenn die garnicht nötig ist? Einfach so mal weiter geben? Ist ja nicht weiter Schädlich, was?

Heute ist meine Wut und Angst und all das wieder verraucht. Ich bin nur etwas verwirrt. Ich weiß leider auch, dass in diesem Fall keiner irgendwie helfen kann. Welchem Arzt kann man denn noch vertrauen? Welcher Mensch erklärt einem denn noch, was man für Medikamente bekommt und warum? Ich bin enttäuscht und irgendwie sehr gespannt, was jetzt kommen wird.
Bekommt Daniel demnächst gesagt, dass er gesund ist? Dass er sich alles nur einbildet? Wird Daniel wahnsinnig? Wohin wird nun das wieder alles führen?
Ich bin leicht überfordert mit dieser ganz neuen Dimension an Krankheit.

Was soll denn noch kommen?
Wer hat Recht?

Wenn das nur alles gut geht..

Jetzt muss ich lernen. Am Samstag schreibe ich eine scheiß schwere Klausur. Und irgendwann die Woche kommt Daniel ins Krankenhaus wegen seiner dritten Chemo.

13.5.08 11:59, kommentieren

komisch

Daniel ist in den letzten Tagen sehr still, wirkt nachdenklich - ist er aber nicht, wenn ich ihn frage.
Er ist müde und lethargisch.

Vielleicht dadurch - aber auch durch die Angst vor allem was kommt - bin ich momentan total depressiv. Ich fühle mich an einem Tag, ja eigentlich in einer Stunde zehn mal fett und zehn mal okay, ich könnte vieles in mich reinstopfen - und auf der anderen Seite versuche ich wieder an jeder Ecke Dinge nicht zu essen.
Das macht unzufrieden und nicht gerade glücklich.

Natürlich sollte es mir eigentlich gut gehen - aber momentan wünsche ich mir, dass mein Daniel mich mal in den Arm nimmt, mir sagt, dass er mich liebt, wie ich bin, dass bessere Zeiten kommen werden.
Kann ich nicht erwarten, was?
Natürlich nicht. Ich kann nichts erwarten. Eigentlich muss ich nur da sein aber meine Klappe halten, Geld verdienen und da sein, intelligent sein und gebildet - aber da sein. Ich sollte meinen Zukünftigen Mann unterstützen wo ich kann - aber mich raushalten, ich sollte den Ärzten sagen, was ich denke, aber ihnen nicht so vorkommen, als mische ich mich in ihre Angelegenheiten..

Was ich nicht alles sollte.

Von dem, was ich für mich gerne hätte, tue ich nichts.
Aber ich werde - und dann werde ich auch nicht mehr so in der Luft hängen. Sicher nicht.
Ich hab so große Angst!

Manchmal würde ich das gerne alles auf die Eine oder Andere Art beenden.

1 Kommentar 6.5.08 17:10, kommentieren

Zukunft

Kaffee trinken, einen Apfel essen, rauchen, ein Brötchen essen - und seit dem sitze ich hier und versuche zu lernen.

Irgendwie zusammenhangslos? Wohl wahr - das ist es auch, was ich ausdrücken möchte.

Daniel geht es besser. Innerlich.
Er will hier raus aus der Klinik, er strengt sich an, powert sich aus um seine Muskeln wieder auf trab zu bringen.
Unser Sex-leben baut sich mit großen Schritten wieder auf und überhaupt scheint vieles wieder ein bisschen Berg auf zu gehen.

Seit ein paar Tagen läuft Daniel ohne Rollator herum, benutzt einen Gehstock was auch sehr gut klappt. Er hat immernoch Schmerzen und weiß nicht, wie der damit umgehen soll. Der Chefarzt sagt, dass Daniel eben mit seinen Schmerzen lernen muss, umzugehen, dass sie so schnell nicht weggehen werden und dass er seine Lebensbedingungen den Lebensumständen anpassen muss und so weiter.
Natürlich hat der Herr Doktor irgendwo recht. Daniel muss den Kopf oben behalten trotz der Schmerzen, trotz der widrigen Umstände.
Aber wie? Das weiß keiner zu beantworten.

Der Arzt meint, dass Daniel noch länger hier bleiben sollte. Er ist jetzt genau vier Wochen hier - und der Arzt spricht von mindestens drei weiteren Wochen, wahrscheinlich mehr.

Aber Daniel will das nicht.
Er arbeitet an und mit seinem Körper, will alles mitnehmen, was er hier bekommen kann - und in einer Woche dann gehen.

Ich finde das toll, freue mich darüber und bin unheimlich Stolz auf ihn. Schließlich erfordert das, was er jetzt tut, viel Kraft.
Trotzdem frage ich mich, ob es gut ist, jetzt schon zu gehen.

Sicher, wir haben momentan keine Zukunft. Wir haben uns - und das wars. Wir haben nicht mehr als uns und unsere Familien. Das ist viel Wert, dass ist wohl das Wichtigste - aber was ist mit dem Rest?
Was ist mit einer Wohnung? Was ist mit Arbeit? Was ist mit Zukunft?

Daniel hat seinen Job gekündigt bzw ist von großen Projekten zurück getreten, die ihn als Freiberufler über Wasser halten würden.
Und nun hoffen wir auf Krankentagegeld. 
Puh.

In unsere Wohnung kommen wir nicht zurück. Daniel zumindest nicht. Er schafft die Treppenstufen nicht.
Wir werden bei meinen Schwiegereltern in spe wohnen müssen - vielleicht auch nur er und ich bleibe "zu Hause", während ich versuche zu studieren und nach Wohnungen suche..

Scheiße, ich hab keine Ahnung wie das wird. Ich hoffe, wir kommen da durch. Ich hoffe, unsere Liebe hält.
Gerade ist sie stärker denn je - aber was kommt?

1 Kommentar 30.4.08 11:09, kommentieren

warten

Komischerweise geht es mir seit zwei Tagen wieder etwas besser. Ich weiß gar nicht warum. Daniel geht es immer noch nicht besonders gut. Er hat vergangenen Freitag ja seine zweite Chemo bekommen - und war bis gestern ziemlich kaputt. Ihm ging es sehr schlecht, ihm war übel und sein Kreislauf verließ ihn immer wieder. Und ich war nicht da. Ich bin immer noch zu Hause, bei meinen Eltern, obwohl ich am Sonntag schon fahren wollte, damit ich am Montag in die Uni kann. Ich werde am Donnerstag fahren. Die Chemo wirkt immernoch nicht, wie sie soll. Alles ist trist und schlecht und es ist schwer Daniels Stimmung zu heben. Sie ist einfach unten. Er kann sich an nichts mehr freuen - schon garnicht an meiner Freude, was ich ja auch verstehen kann. Ich habe ihm erzählt, dass ich im Kino war. Ich dachte, es würde ihn freuen, wenn er mal wüsste, was ich so mache - aber es hat ihn nur deprimiert. Dann habe ich auchnoch gereizt und impulsiv reagiert und sagte, er solle sich doch nicht so selbst bemittleiden, er komme schon wieder mal ins Kino.. und das war natürlich dümmer als dumm von mir. Ich bin einfach oft dumm. Vielleicht kann man auch fast nur dumm sein in solchen Zeiten? Aber nun etwas anderes - ich kann es ja nun nichtmehr ändern. Vorgestern ging es mir ja schlecht, wie man ja lesen konnte, was ich nun darauf schiebe, dass ich mir Druck gemacht habe wegen der Uni, wegen meiner Zukunft. Mittlerweile habe ich beschlossen, einfach aufzuhören mit dem Studium. Verrückt, was? Krank vielleicht. Aber ich schaff es nicht, denke ich. Wenn ich es doch schaffe - dann umso besser. Aber momentan ist der Gedanke, dass ich das Studium einfach beenden kann wunderschön, geradezu eine Erlösung. Daniel ist mein Mann, mein Mann, den ich liebe. Er ist meine Priorität - und wenn es ihm schlecht geht, will ich für ihn da sein. Ich bin noch jung. Die Welt steht mir offen, ich kann noch alles machen, was ich will. Warum also meinen Liebsten vernachlässigen, der "Zukunft" wegen? Was, wenn die Zukunft nur noch zwei Jahre lang ist? Dann will ich wenigstens für den wundervollsten Mann der Welt da gewesen sein. Ich liebe ihn und er ist mir wichtiger als ein Studium, wo ich mich durchquäle. Ich werde nun in die Stadt gehen und muss mich fertig machen. Schönen Tag noch!

1 Kommentar 22.4.08 13:31, kommentieren

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