Archiv

komisch

Daniel ist in den letzten Tagen sehr still, wirkt nachdenklich - ist er aber nicht, wenn ich ihn frage.
Er ist müde und lethargisch.

Vielleicht dadurch - aber auch durch die Angst vor allem was kommt - bin ich momentan total depressiv. Ich fühle mich an einem Tag, ja eigentlich in einer Stunde zehn mal fett und zehn mal okay, ich könnte vieles in mich reinstopfen - und auf der anderen Seite versuche ich wieder an jeder Ecke Dinge nicht zu essen.
Das macht unzufrieden und nicht gerade glücklich.

Natürlich sollte es mir eigentlich gut gehen - aber momentan wünsche ich mir, dass mein Daniel mich mal in den Arm nimmt, mir sagt, dass er mich liebt, wie ich bin, dass bessere Zeiten kommen werden.
Kann ich nicht erwarten, was?
Natürlich nicht. Ich kann nichts erwarten. Eigentlich muss ich nur da sein aber meine Klappe halten, Geld verdienen und da sein, intelligent sein und gebildet - aber da sein. Ich sollte meinen Zukünftigen Mann unterstützen wo ich kann - aber mich raushalten, ich sollte den Ärzten sagen, was ich denke, aber ihnen nicht so vorkommen, als mische ich mich in ihre Angelegenheiten..

Was ich nicht alles sollte.

Von dem, was ich für mich gerne hätte, tue ich nichts.
Aber ich werde - und dann werde ich auch nicht mehr so in der Luft hängen. Sicher nicht.
Ich hab so große Angst!

Manchmal würde ich das gerne alles auf die Eine oder Andere Art beenden.

1 Kommentar 6.5.08 17:10, kommentieren

und nun das..

Seit ein paar Tagen sind wir nun bei Daniels Eltern. Es war am ersten Tag schön, mal wieder unter Menschen zu sein, die man kennt, am zweiten und dritten Tag schrecklich weil sie einfach so schrecklich spießig und verbohrt sind - und mittlerweile hat sich alles einigermaßen eingependelt.

Trotzdem ist alles sehr anstrengend. Ich gehe wieder zur Uni ab morgen. Hier, wo Daniels Eltern wohnen, kommt man schlecht zum Bahnhof und zurück. Scheiß Sache. Aber was soll man machen?

Abends weinen wir oft und morgends auch. Mal er, mal ich. Gleichzeitig irgendwie selten, was ja auch gut ist. Gestern war mal wieder so ein Abend.
Der Tag war nett, es war ja Pfingsten, der Tag, an dem den Jüngern von Jesus Flammen über den Köpfen schwebten und alle, obwohl alle in verschiedenen Sprachen beteten, sich verstanden. Der heilige Geist kam auf sie. Schöner Feiertag. Außerdem hatten wir wundervolles Wetter, wir haben viel zusammen gesessen, geredet und gegessen. Es war ein netter Tag.

Doch dann, Abends, stellte ich Daniels Medikamentensammlung zusammen, in seine blaue Pillenbox. Da wir die Medikamente jetzt erstmals selber bei der Apotheke kaufen mussten, hatten wir auch erstmals die Beipackzettel dabei.
Ich las einen und war ein bisschen überrascht, als ich sah, dass Daniel an Stelle eines antiepileptikums ein Psychopharmaka bekommt, das auch gegen Anfälle aller Art eingesetzt wird.
Okay.
Dann schaute ich mir die anderen Beipackzettel an.
Daniel bekommt drei verschiedene Psychopharmaka. Antidepressiva, etwas gegen Wahnvorstellungen und dann eben das gegen die Anfälle und sonstige Psychosen.
Ich fiel aus allen Wolken irgendwie. Ich wusste garnicht wohin mit meinen Gedanken und mit meiner Wut.

Es ist ja kein Problem, gegen eine Psychosomatische Krankheit behandelt zu werden - nein!
Mein Problem war, dass der Chefarzt nichts dazu sagte. Er verabreichte Daniel diese Psychopharmaka und titulierte sie als normale Schmerzmittel. Ich merkte schon seit Wochen, dass Daniels Schmerzen im Fuß viel mit der Psyche zu tun haben, denn oft, wenn er Schmerzen hatte, ließen diese sich beruhigen durch gut zureden und streicheln und ähnliches. Und nun, da auch Daniel weiß, dass die Psychopharmaka gut helfen, weiß ich also, dass ein Teil dieser Erkrankung Psychisch bedingt ist.
Aber warum sagt der Scheißgefickte Arzt nichts? Warum wird man so verarscht?? Ich meine - Daniel bekommt eine Chemotherapie! Was, wenn die garnicht nötig ist? Einfach so mal weiter geben? Ist ja nicht weiter Schädlich, was?

Heute ist meine Wut und Angst und all das wieder verraucht. Ich bin nur etwas verwirrt. Ich weiß leider auch, dass in diesem Fall keiner irgendwie helfen kann. Welchem Arzt kann man denn noch vertrauen? Welcher Mensch erklärt einem denn noch, was man für Medikamente bekommt und warum? Ich bin enttäuscht und irgendwie sehr gespannt, was jetzt kommen wird.
Bekommt Daniel demnächst gesagt, dass er gesund ist? Dass er sich alles nur einbildet? Wird Daniel wahnsinnig? Wohin wird nun das wieder alles führen?
Ich bin leicht überfordert mit dieser ganz neuen Dimension an Krankheit.

Was soll denn noch kommen?
Wer hat Recht?

Wenn das nur alles gut geht..

Jetzt muss ich lernen. Am Samstag schreibe ich eine scheiß schwere Klausur. Und irgendwann die Woche kommt Daniel ins Krankenhaus wegen seiner dritten Chemo.

13.5.08 11:59, kommentieren

zu hause

Daniel ist seit letztem Mittwoch wieder im Krankenhaus. am Freitag sollte er eigentlich wieder rauskommen - aber wie das eben so ist: die Ärzte wollen alles mögliche noch ausprobieren und testen und machen. Nur nicht am Wochenende. Ist klar. Also musste Daniel das Wochenende im Krankenhaus verbringen und darf heute tatsächlich wieder raus.

Scheiß Ärzte! Tut mir leid - aber ich hab wirklich nen hass auf die im Moment.

Ansonsten war ich jetzt die ganze Woche zu Hause. Man war das schön! Wirklich.

Wegen all dem Stress und der Anspannung und der Angst habe ich mal wieder ziemliche Magenprobleme. Sodbrennen und richtig starke Magenschmerzen. So stark, dass ich nachts nicht schlafen kann und solche Geschichten. Juhu!
Nunja - ich nehme also ein Magenmittel. So ein schleimiges Zeug zum schlucken. Hilft ganz gut. Aber ich muss es echt regelmäßig nehmen. Bei der kleinsten Sache fangen die Magenschmerzen wieder an. Außerdem trink ich den ganzen Tag Pfefferminztee. Auch ganz toll, was? :D nunja. Was muss, das muss.

Nun muss ich mich mal fertig machen. Ich geh heute das erste Mal wieder an die Uni. Man freu ich mich. Wird bestimmt total komisch. Aber nunja. Schaun wa mal.

Was blöd ist ist, dass ich meinen liebsten jetzt schon so lange nicht gesehen habe. Samstag das letzte Mal! Und wir konnten auch nicht telefonieren weil er kein Telefon hatte. Schrecklich! Ich fühl mich schon ganz entwöhnt von ihm :-/

Naja. Gehabt euch wohl!

3 Kommentare 20.5.08 11:22, kommentieren

Sturmfrei. Sturm-frei?

Seit heute morgen sind wir mal wieder allein mit uns.
Gestern abend waren wir mit den zukünftigen Schwiegereltern zum Abschied zusammen Tapas essen und bisschen was trinken und so. Es war echt schön, dafür, dass es eben die fast-Schwiegereltern waren.
Vielleicht lag es auch am Alkohol. Mit Alkohol sparen die hier echt nicht.
Ein Cocktail von dem man wirklich einen im Tee hat kostet nur 3.80, wenn man zwei nimmt, 3.25. Das ist nicht wenig - aber auch nicht sonderlich viel. Man muss bedenken, ich komme aus Hessen. Da ist alles relativ teurer als hier.

Wie auch immer: wir sind nun also bei Daniels Eltern und jene sind in Kur.
Irgendwie wissen wir heute garnicht so, was wir miteinander anfangen sollen. Wir gammeln rum, Daniel hat gebadet, ich hab mir die Haare geschnitten. Sieht komisch aus - aber vielleicht gehts, wenn ich sie richtig föhne und so.

Heute Morgen hatte ich mal wieder nen kleinen Nervenduchticker. Es ist wirklich krass, wie klein die Polster um meine Nerven nur noch sind. Vielleicht sinds garkeine Polster mehr.
Heute musste ich heulen, weil Daniel nichts essen wollte und ich eben vor hatte, ein schönes gemütliches Frühstück zu zweit zu machen.
Kleinste Dinge werfen mich aus dem Konzept.
Das ist widerum zum heulen.

Nunja. Jetzt hab ich auch schon keine Lust mehr zu schreiben. Ich weiß nich, was ich jetzt mache. Vielleicht geh ich auf den Crosstrainer und schau dabei Fern. So ganz assig und un-hilfreich.

Machts gut!

1 Kommentar 25.5.08 12:32, kommentieren

krank

Vorgestern waren wir im Kino! Tatsächlich. wir waren im Kino mit dem Rollstuhl - und es hat sogar alles gut geklappt und Daniel hat es genossen.

Gestern war dann ein eher mieser Tag. Daniel wachte auf und war depressiv. Toll. Ich seh das schon an seinem Blick, wenn er nur die Augen aufmacht. Er muss nichts sagen. Ich weiß es einfach.
Das sind die Tage, die ich über alle Maßen hasse. Man kommt nicht an ihn ran, man kann nicht mit ihm reden und ihn nicht beruhigen. Er ist dann eben nur depressiv. Er schafft es, ich weiß nicht wie lange, da zu sitzen und in die Gegend zu stieren. Er macht nichts - und wenn man ihn fragt, denkt er auch nichts.
An so einem Tag hat ihn das schwarze Loch gefangen und lässt ihn nicht mehr gehen.
Es ist die Ohnmacht meinerseits, die es so schwierig macht damit um zu gehen.
Wenn Daniel sagt: "Ich kann nicht mehr. Ich schaffe das nicht. Es ist mir alles zu viel.", was soll ich darauf hin sagen?
Soll ich sagen: "Ich weiß, dass dir alles zu viel ist - es ist mir auch zu viel. Aber wir müssen durchhalten. Schau auf dein Ziel."
Das ist, was ich sagen würde - aber ich weiß auch, dass es nichts bringt. Es kommt nicht an in Daniels Synapsen.
Trotz der Depressivität ging ich, nachdem ich Daniel zum Arzt geschippert habe, zur Uni.
Es war interessant und ich war eben mal wieder weg von allem. Es war gut. Danach sind wir was trinken gegangen. Das war auch gut.
Es ist seltsam - aber ich habe wirklich das Gefühl, verbündete gefunden zu haben, innerlich verbündete. Ich kann sagen was ich denke - und sie wissen, was ich meine. Helfen können wir uns gegenseitig nicht. Aber zuhören ist manchmal schon sehr viel.

Als ich wieder nach Hause kam (30min Zug fahren, 30min laufen..) machte mir Daniel die Tür auf. Er war natürlich, anders als ich gehofft hatte, immer noch schlechter Laune. Er stöhnte mir ein "hallo" entgegen und schlurfte wieder auf die Couch.
Ich fragte ihn, wie es ihm ginge, was er so machte und so - und später fiel mir auf (mich machte es nicht wütend wie sonst, sondern es *fiel mir auf*!) dass alles sich, sobald ich die Tür rein kam, wieder um ihn drehte. Er fragte vielleicht kurz wie es in der Uni war, worauf ich mit "okay" antwortete, wie immer, und damit war das Thema gegessen.
Danach ging es wieder um sein schreckliches Leben.

Dass es um Daniels schreckliches Leben ging und nicht um meins ist vollkommen okay. Schließlich bin ich gesund und momentan geht es mir ganz okay. Das Leben ist anstrengend und nicht befriedigend - aber wann ist es das schon?
Was mir an dieser Feststellung nur missfiel, war die Tatsache, dass es mittlerweile so ganz normal geworden ist, dass alles sich immer nur um Daniel dreht.
Ich ließ all diese Gedanken zu und merkte, dass ich mich verhalte, wie eine Mutter. Ich bekümmere ihn, verhätschele ihn, schimpfe mit ihm und so weiter.

Das macht mir angst. Und ich weiß nicht, wie ich das lassen kann - schließlich bringt er uns beide in diese Situation.
Wenn ich versuche, mich wie eine junge Frau zu benehmen, die ihr Leben hat und eben einen kranken Mann - dann werde ich, so wie gestern, immer wieder zurück gerissen in die Realität.


Er braucht mich ja, was, wenn er sich was antut, wenn ich nicht da bin, was, wenn was passiert und keiner ist da, was, was, was..

Was?

28.5.08 11:27, kommentieren

Werbung