Nothing New

Nun ist der Tag schon wieder vorbei und ich frage mich, was ich eigentlich gemacht habe.
Nichts.

Wir sind um sechs Uhr aufgestanden, ich war duschen, um sieben Frühstücken, dann rauchen, dabei wieder eine Insassin hier flüchtigst kennenlernen, Daniel ist bei seinen ersten Therapien.
Dann gehe ich hoch, beantworte Mails, surfe ein bisschen, lese, bete, lese und lese und bin irgendwie total müde.
Dann Mittagessen, dann ein Spaziergang mit Zigarette. Komische Umgebung hier. So wirklich ab vom Schuss, der Wald - garnicht so wie ich ihn kenne, gute Luft.
Dann wieder aufs Zimmer, zwei Stunden lesen und Fernsehen. Es kommen Schönheitsshows. Ich schau mir das an und frage mich gerade, ob die Leute echt nichts besseres zu tun haben.
Dann irgendwann kommt Daniel wieder, wir quatschen, tauschen aus. Er ist KO vom vielen Training, sein Fuß schmerzt, er ist müde.
Verständlich.

Trotzdem fasst er immer wieder Mut. Er gibt nicht auf. Ich bin froh und stolz, dass er es soweit geschafft hat. Trotz Rückschlägen und Rückschritten.
Denn die Hoffnung ist ja die, die einen trägt in solchen Zeiten.
Vielleicht das einzige, was einen irgendwie noch halten kann.

Innerlich fühle ich mich heute nicht gut. Ich kämpfe mit mir selber. Ich bin lustlos und müde und einfach schlapp - aber fühle mich auch so nutzlos hier auf der Welt. Ich habe keine Lust auf Uni, habe keine Lust auf irgendwas. Ich weiß nicht wie das Leben wird, das Leben danach.

Was kommt? Wird dann alles wieder normal sein?
Wahscheinlich nicht. Ich meine - das Normale könnte ich mir ja noch vorstellen. Aber wie wird es, wenn unser Leben nicht normal wird? Wie leben wir dann?

Vor großen Reisen in unbekannte Länder, wie einmal unsere Sri-Lanka Reise, da stehe ich dann immer beim Packen der Taschen und frage mich, was nach dieser Reise sein wird. Wird das Leben dann ganz normal sein? Geht es überhaupt weiter?
Das lag vielleicht bis jetzt immer daran, dass ich mir nicht vorstellen konnte, was in einem fremden Land auf mich zukommt, in diesen Welten, die ich nicht kannte. Es war ein Gefühl von Heimweh - aber positiver.

Das selbe Gefühl habe ich gerade. Nur dass es nichts positives hat.
Ich frage mich nicht, wie es in einem fremden Land wird - sondern in meinem zu Hause. Ich frage mich nicht, wie das Leben am Strand ist, sondern der Alltag.
Und das ist irgendwie furchterregend auf eine gewisse Weise.
Nicht so, dass ich weglaufen möchte sondern eher so, dass ich vor dem was kommt sowieso nirgendwo hin fliehen kann, nichtmal für ein Wochenende nach Hause zu meinen Eltern, weil ich kein zu Hause habe - innerlich. Weil mich keiner versteht, weil keiner weiß, wie es sich anfühlt in unsichtbarem Morast zu stehen. Er ist unsichtbar, unfühlbar - aber vorhanden. Nichtmal ich verstehe, warum ich mich fühle wie ich fühle.
Wie soll das ein anderer können?

Vielleicht bin ich besonders labil oder schwach.
Aber wenn ich es bin, dann bin ich es. Und wie jeder weiß - es ist schwer Schmerzampfindlichkeit oder Stressempfindlichkeit zu messen oder gar zu verändern. Wir sind Individuen.
In all dem bin ich auch noch unzufrieden mit mir. Das ist vielleicht das Schlimmste. Warum? Das wüsste ich auch gerne.

Schließlich bin ich hier bei meinem Liebsten, meinem Zukünftigen, kann ihn unterstützen wo ich kann und darf, kann ihm den Rücken stärken und versuchen, ihn auf Dinge zu stoßen, auf die er nicht kommt, in seinem inneren Schmerz. Ich bin doch nicht komplett unnütz, sondern aus einem Grund hier.

Vielleicht ist es aber auch eine Katze die sich in den Schwanz beißt. Ich weiß einfach nicht was kommt - da kann man Sinn in seinem Tun haben so viel man will. Der "Endsinn" muss ja da sein. Das Endziel.

Und das ist momentan nur schwammig.

Gehabt euch wohl.

10.4.08 19:36

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