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Komischerweise geht es mir seit zwei Tagen wieder etwas besser. Ich weiß gar nicht warum. Daniel geht es immer noch nicht besonders gut. Er hat vergangenen Freitag ja seine zweite Chemo bekommen - und war bis gestern ziemlich kaputt. Ihm ging es sehr schlecht, ihm war übel und sein Kreislauf verließ ihn immer wieder. Und ich war nicht da. Ich bin immer noch zu Hause, bei meinen Eltern, obwohl ich am Sonntag schon fahren wollte, damit ich am Montag in die Uni kann. Ich werde am Donnerstag fahren. Die Chemo wirkt immernoch nicht, wie sie soll. Alles ist trist und schlecht und es ist schwer Daniels Stimmung zu heben. Sie ist einfach unten. Er kann sich an nichts mehr freuen - schon garnicht an meiner Freude, was ich ja auch verstehen kann. Ich habe ihm erzählt, dass ich im Kino war. Ich dachte, es würde ihn freuen, wenn er mal wüsste, was ich so mache - aber es hat ihn nur deprimiert. Dann habe ich auchnoch gereizt und impulsiv reagiert und sagte, er solle sich doch nicht so selbst bemittleiden, er komme schon wieder mal ins Kino.. und das war natürlich dümmer als dumm von mir. Ich bin einfach oft dumm. Vielleicht kann man auch fast nur dumm sein in solchen Zeiten? Aber nun etwas anderes - ich kann es ja nun nichtmehr ändern. Vorgestern ging es mir ja schlecht, wie man ja lesen konnte, was ich nun darauf schiebe, dass ich mir Druck gemacht habe wegen der Uni, wegen meiner Zukunft. Mittlerweile habe ich beschlossen, einfach aufzuhören mit dem Studium. Verrückt, was? Krank vielleicht. Aber ich schaff es nicht, denke ich. Wenn ich es doch schaffe - dann umso besser. Aber momentan ist der Gedanke, dass ich das Studium einfach beenden kann wunderschön, geradezu eine Erlösung. Daniel ist mein Mann, mein Mann, den ich liebe. Er ist meine Priorität - und wenn es ihm schlecht geht, will ich für ihn da sein. Ich bin noch jung. Die Welt steht mir offen, ich kann noch alles machen, was ich will. Warum also meinen Liebsten vernachlässigen, der "Zukunft" wegen? Was, wenn die Zukunft nur noch zwei Jahre lang ist? Dann will ich wenigstens für den wundervollsten Mann der Welt da gewesen sein. Ich liebe ihn und er ist mir wichtiger als ein Studium, wo ich mich durchquäle. Ich werde nun in die Stadt gehen und muss mich fertig machen. Schönen Tag noch!

22.4.08 13:31

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