Zukunft

Kaffee trinken, einen Apfel essen, rauchen, ein Brötchen essen - und seit dem sitze ich hier und versuche zu lernen.

Irgendwie zusammenhangslos? Wohl wahr - das ist es auch, was ich ausdrücken möchte.

Daniel geht es besser. Innerlich.
Er will hier raus aus der Klinik, er strengt sich an, powert sich aus um seine Muskeln wieder auf trab zu bringen.
Unser Sex-leben baut sich mit großen Schritten wieder auf und überhaupt scheint vieles wieder ein bisschen Berg auf zu gehen.

Seit ein paar Tagen läuft Daniel ohne Rollator herum, benutzt einen Gehstock was auch sehr gut klappt. Er hat immernoch Schmerzen und weiß nicht, wie der damit umgehen soll. Der Chefarzt sagt, dass Daniel eben mit seinen Schmerzen lernen muss, umzugehen, dass sie so schnell nicht weggehen werden und dass er seine Lebensbedingungen den Lebensumständen anpassen muss und so weiter.
Natürlich hat der Herr Doktor irgendwo recht. Daniel muss den Kopf oben behalten trotz der Schmerzen, trotz der widrigen Umstände.
Aber wie? Das weiß keiner zu beantworten.

Der Arzt meint, dass Daniel noch länger hier bleiben sollte. Er ist jetzt genau vier Wochen hier - und der Arzt spricht von mindestens drei weiteren Wochen, wahrscheinlich mehr.

Aber Daniel will das nicht.
Er arbeitet an und mit seinem Körper, will alles mitnehmen, was er hier bekommen kann - und in einer Woche dann gehen.

Ich finde das toll, freue mich darüber und bin unheimlich Stolz auf ihn. Schließlich erfordert das, was er jetzt tut, viel Kraft.
Trotzdem frage ich mich, ob es gut ist, jetzt schon zu gehen.

Sicher, wir haben momentan keine Zukunft. Wir haben uns - und das wars. Wir haben nicht mehr als uns und unsere Familien. Das ist viel Wert, dass ist wohl das Wichtigste - aber was ist mit dem Rest?
Was ist mit einer Wohnung? Was ist mit Arbeit? Was ist mit Zukunft?

Daniel hat seinen Job gekündigt bzw ist von großen Projekten zurück getreten, die ihn als Freiberufler über Wasser halten würden.
Und nun hoffen wir auf Krankentagegeld. 
Puh.

In unsere Wohnung kommen wir nicht zurück. Daniel zumindest nicht. Er schafft die Treppenstufen nicht.
Wir werden bei meinen Schwiegereltern in spe wohnen müssen - vielleicht auch nur er und ich bleibe "zu Hause", während ich versuche zu studieren und nach Wohnungen suche..

Scheiße, ich hab keine Ahnung wie das wird. Ich hoffe, wir kommen da durch. Ich hoffe, unsere Liebe hält.
Gerade ist sie stärker denn je - aber was kommt?

30.4.08 11:09

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