und nun das..

Seit ein paar Tagen sind wir nun bei Daniels Eltern. Es war am ersten Tag schön, mal wieder unter Menschen zu sein, die man kennt, am zweiten und dritten Tag schrecklich weil sie einfach so schrecklich spießig und verbohrt sind - und mittlerweile hat sich alles einigermaßen eingependelt.

Trotzdem ist alles sehr anstrengend. Ich gehe wieder zur Uni ab morgen. Hier, wo Daniels Eltern wohnen, kommt man schlecht zum Bahnhof und zurück. Scheiß Sache. Aber was soll man machen?

Abends weinen wir oft und morgends auch. Mal er, mal ich. Gleichzeitig irgendwie selten, was ja auch gut ist. Gestern war mal wieder so ein Abend.
Der Tag war nett, es war ja Pfingsten, der Tag, an dem den Jüngern von Jesus Flammen über den Köpfen schwebten und alle, obwohl alle in verschiedenen Sprachen beteten, sich verstanden. Der heilige Geist kam auf sie. Schöner Feiertag. Außerdem hatten wir wundervolles Wetter, wir haben viel zusammen gesessen, geredet und gegessen. Es war ein netter Tag.

Doch dann, Abends, stellte ich Daniels Medikamentensammlung zusammen, in seine blaue Pillenbox. Da wir die Medikamente jetzt erstmals selber bei der Apotheke kaufen mussten, hatten wir auch erstmals die Beipackzettel dabei.
Ich las einen und war ein bisschen überrascht, als ich sah, dass Daniel an Stelle eines antiepileptikums ein Psychopharmaka bekommt, das auch gegen Anfälle aller Art eingesetzt wird.
Okay.
Dann schaute ich mir die anderen Beipackzettel an.
Daniel bekommt drei verschiedene Psychopharmaka. Antidepressiva, etwas gegen Wahnvorstellungen und dann eben das gegen die Anfälle und sonstige Psychosen.
Ich fiel aus allen Wolken irgendwie. Ich wusste garnicht wohin mit meinen Gedanken und mit meiner Wut.

Es ist ja kein Problem, gegen eine Psychosomatische Krankheit behandelt zu werden - nein!
Mein Problem war, dass der Chefarzt nichts dazu sagte. Er verabreichte Daniel diese Psychopharmaka und titulierte sie als normale Schmerzmittel. Ich merkte schon seit Wochen, dass Daniels Schmerzen im Fuß viel mit der Psyche zu tun haben, denn oft, wenn er Schmerzen hatte, ließen diese sich beruhigen durch gut zureden und streicheln und ähnliches. Und nun, da auch Daniel weiß, dass die Psychopharmaka gut helfen, weiß ich also, dass ein Teil dieser Erkrankung Psychisch bedingt ist.
Aber warum sagt der Scheißgefickte Arzt nichts? Warum wird man so verarscht?? Ich meine - Daniel bekommt eine Chemotherapie! Was, wenn die garnicht nötig ist? Einfach so mal weiter geben? Ist ja nicht weiter Schädlich, was?

Heute ist meine Wut und Angst und all das wieder verraucht. Ich bin nur etwas verwirrt. Ich weiß leider auch, dass in diesem Fall keiner irgendwie helfen kann. Welchem Arzt kann man denn noch vertrauen? Welcher Mensch erklärt einem denn noch, was man für Medikamente bekommt und warum? Ich bin enttäuscht und irgendwie sehr gespannt, was jetzt kommen wird.
Bekommt Daniel demnächst gesagt, dass er gesund ist? Dass er sich alles nur einbildet? Wird Daniel wahnsinnig? Wohin wird nun das wieder alles führen?
Ich bin leicht überfordert mit dieser ganz neuen Dimension an Krankheit.

Was soll denn noch kommen?
Wer hat Recht?

Wenn das nur alles gut geht..

Jetzt muss ich lernen. Am Samstag schreibe ich eine scheiß schwere Klausur. Und irgendwann die Woche kommt Daniel ins Krankenhaus wegen seiner dritten Chemo.

13.5.08 11:59

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