krank

Vorgestern waren wir im Kino! Tatsächlich. wir waren im Kino mit dem Rollstuhl - und es hat sogar alles gut geklappt und Daniel hat es genossen.

Gestern war dann ein eher mieser Tag. Daniel wachte auf und war depressiv. Toll. Ich seh das schon an seinem Blick, wenn er nur die Augen aufmacht. Er muss nichts sagen. Ich weiß es einfach.
Das sind die Tage, die ich über alle Maßen hasse. Man kommt nicht an ihn ran, man kann nicht mit ihm reden und ihn nicht beruhigen. Er ist dann eben nur depressiv. Er schafft es, ich weiß nicht wie lange, da zu sitzen und in die Gegend zu stieren. Er macht nichts - und wenn man ihn fragt, denkt er auch nichts.
An so einem Tag hat ihn das schwarze Loch gefangen und lässt ihn nicht mehr gehen.
Es ist die Ohnmacht meinerseits, die es so schwierig macht damit um zu gehen.
Wenn Daniel sagt: "Ich kann nicht mehr. Ich schaffe das nicht. Es ist mir alles zu viel.", was soll ich darauf hin sagen?
Soll ich sagen: "Ich weiß, dass dir alles zu viel ist - es ist mir auch zu viel. Aber wir müssen durchhalten. Schau auf dein Ziel."
Das ist, was ich sagen würde - aber ich weiß auch, dass es nichts bringt. Es kommt nicht an in Daniels Synapsen.
Trotz der Depressivität ging ich, nachdem ich Daniel zum Arzt geschippert habe, zur Uni.
Es war interessant und ich war eben mal wieder weg von allem. Es war gut. Danach sind wir was trinken gegangen. Das war auch gut.
Es ist seltsam - aber ich habe wirklich das Gefühl, verbündete gefunden zu haben, innerlich verbündete. Ich kann sagen was ich denke - und sie wissen, was ich meine. Helfen können wir uns gegenseitig nicht. Aber zuhören ist manchmal schon sehr viel.

Als ich wieder nach Hause kam (30min Zug fahren, 30min laufen..) machte mir Daniel die Tür auf. Er war natürlich, anders als ich gehofft hatte, immer noch schlechter Laune. Er stöhnte mir ein "hallo" entgegen und schlurfte wieder auf die Couch.
Ich fragte ihn, wie es ihm ginge, was er so machte und so - und später fiel mir auf (mich machte es nicht wütend wie sonst, sondern es *fiel mir auf*!) dass alles sich, sobald ich die Tür rein kam, wieder um ihn drehte. Er fragte vielleicht kurz wie es in der Uni war, worauf ich mit "okay" antwortete, wie immer, und damit war das Thema gegessen.
Danach ging es wieder um sein schreckliches Leben.

Dass es um Daniels schreckliches Leben ging und nicht um meins ist vollkommen okay. Schließlich bin ich gesund und momentan geht es mir ganz okay. Das Leben ist anstrengend und nicht befriedigend - aber wann ist es das schon?
Was mir an dieser Feststellung nur missfiel, war die Tatsache, dass es mittlerweile so ganz normal geworden ist, dass alles sich immer nur um Daniel dreht.
Ich ließ all diese Gedanken zu und merkte, dass ich mich verhalte, wie eine Mutter. Ich bekümmere ihn, verhätschele ihn, schimpfe mit ihm und so weiter.

Das macht mir angst. Und ich weiß nicht, wie ich das lassen kann - schließlich bringt er uns beide in diese Situation.
Wenn ich versuche, mich wie eine junge Frau zu benehmen, die ihr Leben hat und eben einen kranken Mann - dann werde ich, so wie gestern, immer wieder zurück gerissen in die Realität.


Er braucht mich ja, was, wenn er sich was antut, wenn ich nicht da bin, was, wenn was passiert und keiner ist da, was, was, was..

Was?

28.5.08 11:27

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